Fragen zum Thema Factoring

 

  1. Ist Factoring nicht eigentlich eine Art Inkasso?

    Nein, damit hat Factoring nichts zu tun. Inkasso beschäftigt sich mit dem Einzug von Forderungen. Factoring hilft den Kunden, mit einem innovativen Finanzierungsinstrument Liquidität zu generieren. Die Bonität der betreuten Unternehmen und der Debitoren wird regelmäßig vorab überprüft; damit befinden sich die Kunden unserer Mitgliedsunternehmen ausnahmslos auf einem deutlich höheren Bonitätsniveau als „Inkassokunden“. Factoring unterscheidet sich daher substanziell vom Inkassogeschäft : „Factoring kauft „nur“ die guten Forderungen an, Inkasso kümmert sich um die faulen Debitoren.“
     
  2. Ist die Nutzung von Factoring auf Kundenseite nicht ein Indiz für wirtschaftliche schwächeren Unternehmen?

    Das früher vermeintlich geltende Vorurteil Factoring-Kunden seien "bonitätsschwach oder stecken gar in Schwierigkeiten“ ist nach wie vor - wenn auch völlig unzutreffend – gelegentlich im Markt anzutreffen: Factoring-Institute achten ähnlich wie Banken schon aus Gründen finanziellen Eigeninteresses auf eine gesunde Kunden- und Abnehmerstruktur ihrer Factoring-Partner: Vor einem Vertragsabschluss werden daher potenzielle Factoring-Neukunden eingehend geprüft. Nur gesunde Unternehmen mit werthaltigen Forderungen, guter Bonität und sicherer Ertragskraft eignen sich für eine langfristig ausgerichtete Factoring-Beziehung. Factoring hat sich zu einem Qualitätsmerkmal auf Kundenseite gewandelt; Kunden, die Factoring nutzen können, stellen dies zunehmend auch selbstbewusst heraus. (vgl. auch "Wachsen mit Factoring", Studie 2011 XXX)
     
  3. Welche Formen des Factorings gibt es/bieten Ihre Mitglieder an?

    Factoring ist eine moderne Finanzdienstleistung, die sich an den von den Factoring-Kunden nachgefragten Anforderungen orientiert. Die Arten des Factoring richten sich nach den jeweils unterschiedlichen konkreten Bedürfnissen der Kunden zu Finanzierungshöhe, Laufzeit, Risikoabsicherung, Übernahme des Forderungsmanagements und ggf. weiteren gewünschten Services.


    Im Inhouse-Factoring verbleibt das gesamte Debitorenmanagement treuhänderisch für den Factor in der Hand des Factoring-Kunden. Die Factoring-Gesellschaft übernimmt schwerpunktmäßig die Finanzierungs- und die Delkrederefunktion. Dies verdeutlicht bereits, dass dieses Verfahren speziell für solche Factoring-Kunden in Frage kommt, die selbst über ein zuverlässiges Debitorenmanagement verfügen.

    Das Standard-Factoring umfasst neben der umsatzkongruenten Finanzierung auch eine vollständige Risikoabsicherung für den Delkrederefall und die Übernahme des Debitorenmanagements. Wegen des umfänglichen Services des Factors wird dieses Verfahren auch Full-Service-Factoring genannt.

    Beim Fälligkeits-Factoring nutzt der Factoring-Kunde die Vorteile der vollständigen Risikoabsicherung und der Entlastung beim Debitorenmanagement, verzichtet aber auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises, also den Finanzierungseffekt des Factorings. Fälligkeits-Factoring erleichtert die Finanzplanung des Kunden, da mit dem Factor bestimmte Zahlungstermine vereinbart werden können, unabhängig von Zahlungen der Debitoren.

    Im „Sonstigen Factoring“ werden alle Factoring-Varianten gesondert erfasst, die nicht unter vorgenannte Standard-Varianten zu subsumieren sind: Hierunter fallen unter anderem konzerninterne Umsätze, ABS-nahe Produkte, Umsätze aus nicht angekauften Forderungen sowie die Refinanzierung anderer Factoring-Institute.

    Für nähere Informationen zu den Factoringangeboten unserer Mitglieder vgl. "Wer factort was?".
     
  4. Welche Arten des Factorings werden ebenfalls unterschieden?

    Echtes Factoring meint Factoringverfahren, bei denen der Factor das Ausfallrisiko übernimmt, also unter Gewährung vollen Delkredereschutzes.

    Unechtes Factoring meint Factoringverfahren ohne Übernahme des Ausfallrisikos, also ohne Delkredereschutz. In Deutschland wird seit Jahren fast ausnahmslos echtes Factoring praktiziert.

    Beim offenen Factoring-Verfahren wird der Debitor über den Forderungsverkauf an den Factor informiert und aufgefordert, direkt an diesen zu zahlen.

    Beim stillen Factoring-Verfahren wird die Forderungsabtretung vom Factoringkunden an den Factor nicht offengelegt.

    Bei Export-Factoring/Import-Factoring bieten die Factoringinstitute Factoring sowohl für den inländischen als auch für den grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr an. Nehmen inländische Unternehmen (Exporteure) die Leistungen eines Factors in Deutschland für ihre grenzüberschreitenden Geschäfte in Anspruch, spricht man von Export-Factoring. Handelt es sich um Importgeschäfte, bei denen ausländische Unternehmen die Leistungen eines Factors in Deutschland in Anspruch nehmen, wird dies Importfactoring genannt.
     
  5. Ist Factoring nicht vor allem für Großkunden interessant?

    Nein: Wie die aktuellen Größenordnungen im Factoring zeigen, hat sich die Factoring-Branche gerade in den letzten Jahren innovativ bei Lösungen für den Mittelstand gezeigt. Mindestvolumina, ab denen Factoring für Kunden angeboten wird, sind in den letzten Jahren teilweise deutlich abgesenkt worden, auch um Neukunden gewinnen zu können.
     
  6. Welche Unternehmen/Branchen nehmen Factoring in Anspruch?

    Factoring eignet sich für viele, allerdings nicht für alle Branchen. Factoring als modernes Instrument der Forderungsfinanzierung setzt regelmäßig abgeschlossene Leistungen der Factoring-Kunden gegenüber ihren Abnehmern voraus. Unsere Mitgliedsinstitute geben als ihre bedeutendsten Branchen an: Handel und Handelsvermittlung, die Metallverarbeitung, das Ernährungsgewerbe, die herstellung von Maschinenerzeugnissen, Maschinenbau, das verarbeitende Gewerbe, die Herstellung von chemischen Erzeugnissen, der Fahrzeugbau, Elektronik/elektronische Bauelemente sowie die Papier-, Verlags- und Druckgewerbe. Das Factoring medizinischer Forderungen sowie von Forderungen aus dem Baubereich hat zudem in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

     
  7. Ist Factoring nicht teurer als ein Bankkredit?

    Die Konditionen/Kosten im Factoring schwanken abhängig von Branche, Umsatz, Debitorenbestand usw.
    Grundsätzlich stellt der Factor dem Factoring-Kunden zwei Rechnungen aus, eine für die Factoring-Gebühr und eine für die Finanzierung. Die Factoring-Gebühr beinhaltet die Services, die Übernahme des Delkrederisikos, das Debitorenmanagement usw. Zusätzlich zahlt der Kunde eine Finanzierungsgebühr, die sich meist an den aktuellen Kontokorrentkosten orientiert.
    Anders als beim Bankkredit bietet Factoring einen umfassenden Schutz vor Forderungsausfällen und beinhaltet – falls gewünscht - die Übernahme des Forderungsmanagements, inklusive Mahnwesen für den Kunden. Durch die mit Factoring sofort zur Verfügung stehende Liquidität kann sich ein factoringnutzendes Unternehmen zusätzlich Erträge im Einkauf beschaffen, weil Skonti und Sonderkonditionen genutzt werden können, welche i. E. die Kosten des Factoring sogar häufig übersteigen. Daher ist ein direkter Konditionenvergleich Factoring/Bank nur eingeschränkt möglich.

     
  8. Welchen Nutzen bringt Factoring?

    Der Unternehmer gewinnt durch Factoring zeitlichen und finanziellen Handlungsspielraum, stärkt seine Position gegenüber seinen Lieferanten und seiner Hausbank; Zahlungsverzug oder eventuelle Zahlungsausfälle seiner Debitoren belasten ihn nicht mehr.

    Weitere Vorteile: verbesserte Liquidität durch Abbau der Außenstände, Einsparungen beim Einkauf durch Skonti und Rabatte, hundertprozentige Sicherheit vor Zahlungsausfällen, Einsparung von Aufwendungen für das Debitorenmanagement, fortlaufende Bonitätskontrolle der Debitoren, Wegfall der Kosten für eine Kreditversicherung.